Rechnen mit dem Abakus lernen – die Anleitung für Eltern
Wer sich mit Brainobrain, mit Little Brainobrain oder generell mit mentaler Arithmetik für Kinder beschäftigt, stößt schnell auf den Abakus. Viele Eltern fragen sich dann: „Was ist das eigentlich für ein Gerät, und wie funktioniert das Rechnen damit?“ Diese Anleitung erklärt das Schritt für Schritt. Sie ist nicht dafür gedacht, Ihr Kind mit dem Abakus zu unterrichten – das machen wir.
Brainobrain Kids Academy
Sie ist dafür gedacht, dass Sie als Elternteil das Prinzip verstehen. Denn wer versteht, wie sein Kind rechnet, kann es besser begleiten, kann seine Fortschritte einordnen, und kann Fragen fundiert beantworten. In den nächsten fünfzehn Minuten lernen Sie den Aufbau des Abakus kennen, verstehen, wie Zahlen darauf dargestellt werden, und beherrschen die zwei wichtigsten Rechenregeln: den 5er-Freund und den 10er-Freund.
1. Warum Sie den Abakus als Elternteil kennen sollten
Es gibt zwei ehrliche Gründe, warum Eltern das Prinzip des Abakus verstehen sollten – auch wenn sie nicht selbst rechnen lernen wollen und auch wenn ihr Kind nachher in einem strukturierten Programm unterrichtet wird.
Erstens: Wenn Ihr Kind bei uns oder in einem ähnlichen Programm mit dem Abakus arbeitet, wird es Ihnen zu Hause davon erzählen. Es wird stolz sein auf neue Fortschritte, es wird Ihnen kleine Übungen zeigen, es wird vielleicht Fragen stellen. Ein Elternteil, das keine Vorstellung vom Abakus hat, kann darauf nur oberflächlich reagieren. Ein Elternteil, das die Grundprinzipien kennt, kann echtes Interesse zeigen, kann nachfragen, kann mitfreuen. Diese Art von Interesse ist einer der stärksten Motivationsfaktoren, die es für kindliches Lernen gibt.
Zweitens: Es macht wirklich Spaß. Der Abakus ist ein bemerkenswertes Denkwerkzeug. Wer einmal verstanden hat, wie er funktioniert, wird oft selbst erstaunt sein, wie klar und logisch das System aufgebaut ist. Viele Eltern erzählen uns nach ihren Kindern-Probestunden: „Ich verstehe jetzt zum ersten Mal, warum meine Großmutter noch so schnell im Kopf rechnen konnte. Das war einfach eine andere Denkstruktur.“
2. Der Aufbau des Abakus – Anatomie eines Rechengeräts
Bevor wir zu Zahlen und Rechnen kommen, brauchen wir ein klares Bild vom Gerät selbst. Es gibt weltweit verschiedene Abakus-Varianten. Für das moderne mentale Arithmetik-Training wird meist der japanische Soroban verwendet – das ist auch der, den wir in unserem Programm nutzen. Er ist einfacher aufgebaut als sein chinesischer Vorgänger und besser für das systematische Lernen geeignet.
Ein Soroban besteht aus einem rechteckigen Rahmen mit mehreren senkrechten Ruten (Stäben). Jede dieser Ruten trägt fünf Perlen. In der Mitte des Rahmens verläuft ein waagerechter Trennstab. Diese Konstruktion ist die Grundlage für alles Weitere:
- Über dem Trennstab sitzt EINE Perle. Sie hat den Wert 5.
- Unter dem Trennstab sitzen VIER Perlen. Jede von ihnen hat den Wert 1.
- Eine Perle wird als „aktiv“ betrachtet, wenn sie in Richtung Trennstab verschoben ist – also die obere Perle nach unten, die unteren Perlen nach oben.
- Perlen, die vom Trennstab weg sind (obere Perle ganz oben, untere Perlen ganz unten), zählen nicht.
Jede Rute steht für eine Dezimalstelle. Ganz rechts befindet sich die Einer-Stelle. Die Rute links davon ist die Zehner-Stelle. Die nächste ist die Hunderter-Stelle. Und so weiter. Ein Soroban mit sieben Ruten kann also alle Zahlen von 0 bis 9.999.999 darstellen – das reicht selbst für sehr komplexe Rechenaufgaben.
3. Zahlen auf dem Abakus darstellen (0 bis 9)
Wir konzentrieren uns zuerst auf eine einzelne Rute – die Einer-Stelle. Wie stellen wir dort die Zahlen 0 bis 9 dar?
🔢 Zahlen 0 bis 4 – nur untere Perlen
- 0 – keine Perle am Trennstab: obere Perle bleibt oben, alle vier unteren Perlen bleiben unten.
- 1 – eine untere Perle nach oben (an den Trennstab).
- 2 – zwei untere Perlen am Trennstab.
- 3 – drei untere Perlen am Trennstab.
- 4 – alle vier unteren Perlen am Trennstab.
Bis hier ist es intuitiv. Aber was passiert bei der 5? Wir haben keine fünfte untere Perle. An dieser Stelle kommt die obere Perle ins Spiel – die eine Perle mit dem Wert 5.
🔢 Zahlen 5 bis 9 – obere Perle plus untere Perlen
- 5 – obere Perle nach unten (an den Trennstab), alle unteren Perlen zurück in Neutralstellung.
- 6 – obere Perle unten (=5) plus EINE untere Perle oben (=1) = 6.
- 7 – obere Perle unten (=5) plus ZWEI untere Perlen oben (=2) = 7.
- 8 – obere Perle unten (=5) plus DREI untere Perlen oben (=3) = 8.
- 9 – obere Perle unten (=5) plus VIER untere Perlen oben (=4) = 9.
Was gerade passiert ist, ist genial im Aufbau. Mit nur fünf Perlen können wir zehn verschiedene Zahlen darstellen (0 bis 9), weil die obere Perle den Wert 5 hat und wir sie mit den unteren Perlen kombinieren. Kinder verstehen dieses Prinzip meist innerhalb einer Sitzung – auch wenn sie sich es körperlich mehrere Wochen aneignen müssen.
4. Mehrstellige Zahlen darstellen
Sobald das Prinzip auf einer Rute klar ist, wird es einfach: Jede weitere Stelle bekommt eine eigene Rute. Wir arbeiten dann von rechts nach links – so wie wir auch Zahlen schreiben. Die rechte Rute ist die Einer-Stelle, die nächste die Zehner-Stelle, dann Hunderter, dann Tausender.
🔢 Beispiel: Die Zahl 27 darstellen
- Zehner-Stelle: 2 untere Perlen am Trennstab (= 20).
- Einer-Stelle: obere Perle unten (=5) plus 2 untere Perlen oben (=2) = 7.
- Zusammen: 27.
🔢 Beispiel: Die Zahl 348 darstellen
- Hunderter-Stelle: 3 untere Perlen am Trennstab (= 300).
- Zehner-Stelle: obere Perle unten (=50) plus 4 untere Perlen (Achtung: 4 gibt es nicht – wir zeigen später den 5er-Freund).
- Einer-Stelle: obere Perle unten (=5) plus 3 untere Perlen oben (=3) = 8.
Vielleicht ist Ihnen beim Beispiel mit 348 aufgefallen: Bei der Zehner-Stelle stimmt etwas nicht. 40 auf einer einzelnen Rute wären 4 untere Perlen. Aber wir haben ja gesagt: eine obere Perle plus 4 untere Perlen geht nicht gleichzeitig, wenn wir mit 5+4=9 bereits alle unteren Perlen aufgebraucht haben. Bei 40 ist das eine andere Situation: Es sind nur 4 untere Perlen aktiv. Die obere Perle bleibt oben.
Also: 348 = Hunderter mit 3 unteren Perlen aktiv, Zehner mit 4 unteren Perlen aktiv, Einer mit oberer Perle unten und 3 unteren Perlen oben.
5. Einfache Addition ohne Sprung
Jetzt kommt der spannende Teil: Rechnen. Wir beginnen mit den einfachsten Additionen, die ohne besondere Tricks funktionieren. Sobald wir das Prinzip verstanden haben, werden wir sehen, warum die meisten Aufgaben doch einen Trick brauchen – den 5er-Freund.
Die Regel für einfache Addition lautet: Wenn wir eine Zahl dazuzählen wollen und dafür genug Perlen in Reserve haben, schieben wir sie einfach dazu. Genug Perlen bedeutet: Weder überschreiten wir die 4 unteren Perlen einer Rute, noch überschreiten wir insgesamt den Wert 9.
🔢 Beispiele: Additionen ohne Trick
- 2 + 2 = 4: Zwei untere Perlen aktiv, wir schieben zwei weitere dazu. Ergebnis: 4.
- 1 + 3 = 4: Eine untere Perle aktiv, wir schieben drei weitere dazu. Ergebnis: 4.
- 5 + 4 = 9: Obere Perle unten (=5), wir schieben vier untere Perlen dazu. Ergebnis: 9.
- 6 + 3 = 9: Wir haben 6 (obere Perle unten + 1 untere Perle oben), wir schieben zwei weitere untere Perlen dazu. Ergebnis: 9.
Was alle diese Aufgaben gemeinsam haben: Wir überschreiten weder die 4 unteren Perlen (bei denen mit nur unteren) noch die 9 auf einer Rute (bei denen mit oberer Perle). Diese „bequemen“ Aufgaben sind aber die Ausnahme, nicht die Regel.
Sobald wir Aufgaben wie 3 + 4, 4 + 2 oder 7 + 6 rechnen wollen, funktioniert der direkte Weg nicht mehr. Bei 3 + 4 zum Beispiel: Wir haben 3 untere Perlen aktiv, nur eine ist noch in Reserve – aber wir wollen 4 dazuzählen. Für diese Situationen brauchen wir eine der genialsten Regeln der Abakus-Rechnung: den 5er-Freund.
6. Der 5er-Freund – die wichtigste Regel für die Addition
Der 5er-Freund ist eine der genialsten Ideen der Abakus-Rechnung. Er löst ein grundlegendes Problem: Wenn wir nur vier untere Perlen zur Verfügung haben, aber mehr als vier dazuzählen wollen, brauchen wir einen Trick. Der Trick heißt: Wir benutzen die obere Perle (Wert 5) als Umweg.
Der Gedanke hinter dem 5er-Freund: Jede Zahl von 1 bis 4 kann als „5 minus etwas“ ausgedrückt werden.
- 1 = 5 – 4
- 2 = 5 – 3
- 3 = 5 – 2
- 4 = 5 – 1
Wenn wir also eine kleine Zahl (1 bis 4) auf den Abakus dazuzählen möchten, aber nicht genügend untere Perlen frei haben, machen wir Folgendes: Wir schieben die obere Perle runter (das ist +5) und ziehen dann den „Freund“ ab – also die Zahl, die zusammen mit unserer Zahl 5 ergibt.
🔢 Beispiel: 3 + 4 = ?
- Ausgangsstellung: 3 auf der Einer-Rute (3 untere Perlen am Trennstab).
- Wir wollen 4 dazuzählen. Aber nur 1 untere Perle ist noch frei.
- Trick: 4 = 5 – 1. Also machen wir zwei Bewegungen:
- Obere Perle nach unten (+5). Jetzt ist der Wert 3 + 5 = 8.
- Eine untere Perle nach unten (-1). Jetzt ist der Wert 8 – 1 = 7.
- Ergebnis: 3 + 4 = 7. ✓
Das klingt umständlich, wird aber schnell zur Routine. Kinder, die den 5er-Freund beherrschen, führen diese zwei Bewegungen so flüssig aus, dass es aussieht wie eine einzige Aktion. Und das ist der eigentliche Sinn: Der 5er-Freund macht das Rechnen mit dem Abakus überhaupt erst effizient.
7. Der 10er-Freund – Zehnerübergang meistern
Wenn wir Zahlen addieren wollen, die einen Zehnerübergang verursachen – zum Beispiel 8 + 6 –, brauchen wir eine zweite Regel: den 10er-Freund. Die Idee ist ganz ähnlich wie beim 5er-Freund, nur diesmal ist der Umweg über die nächsthöhere Dezimalstelle.
Der Gedanke: Jede Zahl von 1 bis 9 kann als „10 minus etwas“ ausgedrückt werden.
- 1 = 10 – 9
- 2 = 10 – 8
- 3 = 10 – 7
- … und so weiter bis …
- 9 = 10 – 1
Wenn wir also eine Zahl dazuzählen möchten, die uns über die 10 bringen würde, machen wir Folgendes: Wir addieren eine Perle in der Zehner-Stelle (das ist +10) und ziehen dann den „Freund“ ab – also die Zahl, die zusammen mit unserer Zahl 10 ergibt.
🔢 Beispiel: 8 + 6 = ?
- Ausgangsstellung: 8 auf der Einer-Rute (obere Perle unten = 5, plus 3 untere Perlen oben = 8).
- Wir wollen 6 dazuzählen. Aber der Einer-Wert kann maximal 9 sein – 8 + 6 = 14 geht nicht in eine einzige Stelle.
- Trick: 6 = 10 – 4. Also machen wir zwei Bewegungen:
- Eine Perle auf der ZEHNER-Rute nach oben (+10). Jetzt ist der Zehner-Wert 1.
- 4 auf der Einer-Rute abziehen. Das geht so: Alle 3 unteren Perlen zurück (-3), plus obere Perle zurück nach oben (-5), plus 4 untere Perlen wieder hoch (+4). Netto ist das -4.
- Ergebnis: Zehner = 1, Einer = 4. Zusammen: 14. ✓
Beim 10er-Freund haben wir also oft eine Kombination aus mehreren Perlen-Bewegungen. Für Erwachsene wirkt das kompliziert. Für Kinder, die von Anfang an so lernen, wird es zur natürlichen Bewegung. Sie denken nicht in „5er-Freund“ oder „10er-Freund“. Sie sehen die Zahl und ihre Hände bewegen sich.
Wichtiger Hinweis
Die Abakus-Regeln vollständig zu beherrschen, dauert für ein Kind mehrere Monate systematischen Trainings. Als Erwachsener können Sie das Prinzip in einer Stunde verstehen. Der Unterschied ist wichtig: Das Verstehen ist die eine Sache. Das automatisierte Können, das später den mentalen Abakus ermöglicht, ist eine ganz andere. Deshalb ist ein strukturiertes Programm mit erfahrener Trainerin so viel wirksamer als reines Selbststudium.
8. Subtraktion – die Umkehr der Regeln
Wer Addition auf dem Abakus verstanden hat, versteht auch Subtraktion – denn sie funktioniert nach demselben Prinzip, nur umgekehrt. Statt Perlen zu addieren, ziehen wir sie ab. Statt „obere Perle runter, untere Perle weg“, machen wir „obere Perle hoch, untere Perle dazu“.
Auch bei der Subtraktion gibt es einen 5er-Freund und einen 10er-Freund. Sie funktionieren genauso, nur in die andere Richtung: Wenn wir eine Zahl abziehen wollen und nicht genug Perlen aktiv haben, greifen wir zum Freund.
🔢 Beispiel: 7 – 4 = ?
- Ausgangsstellung: 7 auf der Einer-Rute (obere Perle unten = 5, plus 2 untere Perlen oben = 7).
- Wir wollen 4 abziehen. Aber nur 2 untere Perlen sind aktiv – das reicht nicht.
- Trick: 4 = 5 – 1. Also:
- Obere Perle zurück nach oben (-5). Der Wert ist jetzt 2.
- Eine untere Perle nach oben (+1). Der Wert ist jetzt 3.
- Ergebnis: 7 – 4 = 3. ✓
Kinder lernen Addition und Subtraktion parallel. Sie üben sie in denselben Sitzungen, oft direkt hintereinander. Das hilft, weil beide Operationen sich ergänzen und das Verständnis vertiefen.
9. Vom physischen zum mentalen Abakus
Sobald ein Kind mit dem physischen Abakus sicher rechnen kann, beginnt die eigentliche Magie: der Übergang zum mentalen Abakus. Das geschieht nicht schlagartig, sondern in fließenden Schritten über Monate hinweg.
9.1 Phase 1: Der Blick auf den Abakus
In der ersten Phase löst das Kind alle Aufgaben mit dem physischen Abakus vor sich auf dem Tisch. Es sieht die Perlen, bewegt sie, spürt sie zwischen den Fingern. Das körperliche Erleben ist wichtig – es baut die neuronalen Verbindungen auf, die später den mentalen Abakus tragen.
9.2 Phase 2: Die Bewegung ohne Blick
Nach einigen Monaten kann das Kind auf den Abakus schauen, aber die Bewegungen der Perlen ohne bewusstes Nachdenken ausführen. Die Hände wissen, was sie tun. Das Kind muss nicht mehr überlegen, welche Perle es verschieben soll. Diese Automatisierung ist der Übergang zu Phase 3.
9.3 Phase 3: Der Abakus im Kopf
Jetzt kommt der eigentlich beeindruckende Moment. Die Trainerin nimmt den Abakus weg. Das Kind muss die Aufgabe mental lösen. Und – zur Überraschung vieler Eltern – gelingt das. Zuerst langsam, dann zunehmend sicher. Das Kind „sieht“ einen Abakus vor seinem inneren Auge und bewegt die Perlen dort in Gedanken.
Aus dieser Fähigkeit entsteht die spektakuläre Rechen-Geschwindigkeit, die Menschen mit langjährigem mentalen Arithmetik-Training zeigen können. Sie ist keine Zauberei. Sie ist das Ergebnis von Jahren strukturierten Trainings, das in den Grundprinzipien beginnt, die wir gerade besprochen haben.
10. Praxis für Eltern: Welchen Abakus, wie üben, was vermeiden
Wenn Sie sich – nach dieser Anleitung – dafür interessieren, selbst mit einem Abakus zu experimentieren, hier ein paar praktische Hinweise.
10.1 Welchen Abakus kaufen
Wenn Ihr Kind bei uns oder in einem ähnlichen Programm ist, bekommt es einen passenden Abakus als Teil des Programms. Sie müssen sich also nicht selbst darum kümmern. Wenn Sie einen für sich selbst haben möchten, achten Sie auf einen japanischen Soroban mit einer oberen Perle und vier unteren Perlen pro Rute. Es gibt online günstige Modelle für 15 bis 30 Euro. Vermeiden Sie chinesische Suanpans mit zwei oberen Perlen – die sind für das moderne mentale Arithmetik-Training weniger geeignet.
10.2 Was Sie zu Hause tun können – und was besser nicht
Wenn Ihr Kind bereits im Training ist, kann es sehr wertvoll sein, wenn Sie sich das, was es gelernt hat, zeigen lassen. „Zeig mir mal, wie du 7 plus 6 rechnest.“ Diese Art von Interesse ist Gold wert für die Motivation Ihres Kindes.
Was Sie besser lassen: Ihrem Kind zu Hause parallel zum Training andere Rechenmethoden zeigen, oder es aufzufordern, „schneller“ zu werden. Beides untergräbt die Systematik, die im Training aufgebaut wird. Kinder brauchen für den Aufbau des mentalen Abakus eine konsistente Denkweise – nicht drei verschiedene Ansätze gleichzeitig.
10.3 Häufige Anfänger-Fehler
- Zu schnelles Vorgehen. Der Abakus belohnt Präzision, nicht Geschwindigkeit. Wer zu schnell arbeitet, macht Fehler und verinnerlicht falsche Muster.
- Ungeduld bei den Freund-Regeln. Der 5er-Freund und der 10er-Freund fühlen sich anfangs künstlich an. Sie werden aber nach einigen Wochen zur zweiten Natur. Nicht aufgeben.
- Vergleich mit dem eigenen Kopfrechnen. „Ich kann das im Kopf schneller.“ Das mag stimmen. Aber die Fähigkeit, die auf dem Abakus aufgebaut wird, ist eine andere – und langfristig wirkungsvoller.
11. Warum ein strukturiertes Programm mehr bringt als Selbststudium
Am Ende dieser Anleitung wollen wir ehrlich sein: Was Sie hier gelesen haben, reicht, um das Prinzip zu verstehen. Es reicht nicht, um es Ihrem Kind beizubringen. Und das ist keine Vertriebsaussage – es liegt in der Natur des Trainings.
Der Abakus ist keine Methode, die man aus einem Buch lernt. Er lebt vom persönlichen Feedback: „Nicht so, sondern so. Beobachte mal die untere Perle. Versuch es nochmal.“ Kinder brauchen eine Trainerin, die sieht, wo sie stehen, was ihre nächste Herausforderung ist, und die ihnen das genau im richtigen Moment zeigt.
Genauso wichtig ist die Struktur des Trainings. Ein systematisches Programm baut die Fähigkeiten in einer bestimmten Reihenfolge auf. Es überspringt keine Schritte, es lässt nichts weg. Kinder, die in einem strukturierten Programm lernen, verinnerlichen den Abakus in einer Tiefe, die im Selbststudium fast unmöglich ist.
Wenn Sie also den Abakus für Ihr Kind interessant finden, wäre der praktische Weg: eine kostenlose Probestunde vereinbaren. Ihr Kind lernt die Trainerin kennen. Es probiert es selbst aus. Und Sie sehen live, wie das Training funktioniert. Ohne Verpflichtung, ohne Druck.
12. Fazit: Was Sie jetzt wissen
Wenn Sie diesen Ratgeber bis hierhin gelesen haben, wissen Sie jetzt mehr über den Abakus als etwa 95 Prozent der deutschen Eltern. Sie kennen den Aufbau, das Wertsystem, die Freund-Regeln, den Übergang zum mentalen Rechnen. Das ist keine geringe Leistung – der Abakus ist ein hochkomplexes Denkwerkzeug, und Sie haben in einer Viertelstunde seine Grundprinzipien verstanden.
Was Sie damit gewonnen haben: Wenn Ihr Kind in einem Abakus-Programm ist, können Sie mit ihm über seine Fortschritte reden. Sie können nachvollziehen, warum es manchmal frustriert ist und manchmal stolz. Sie können echte Anerkennung geben, statt oberflächliches „schön“. Diese Art von Elternbegleitung ist einer der stärksten Faktoren für dauerhaften Lernerfolg.
Und wenn Sie sich fragen, ob mentale Arithmetik das Richtige für Ihr Kind sein könnte, empfehlen wir Ihnen unseren ausführlichen Ratgeber „Was ist mentale Arithmetik?“ – dort erklären wir die pädagogischen und wissenschaftlichen Hintergründe im Detail. Oder Sie vereinbaren direkt eine kostenlose Probestunde in unserem Berliner Standort oder online.





