Was Ihr Kind vor der 1. Klasse wirklich können sollte – und was NICHT
„Muss mein Kind vor der Schule schon lesen können?“ „Reicht es, wenn es bis zehn zählen kann?“ – Fragen wie diese hören wir in fast jedem Elterngespräch. Und die Antworten überraschen viele Eltern.
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Denn: Was Schulen in der ersten Klasse tatsächlich voraussetzen, ist etwas ganz anderes, als viele denken. Genauso wichtig wie zu wissen, was Ihr Kind können sollte, ist zu wissen, was es NICHT können muss. In diesem Ratgeber räumen wir mit den häufigsten Missverständnissen auf, zeigen die fünf wirklich wichtigen Kompetenzbereiche und geben konkrete Orientierung für die letzten Monate vor der Einschulung.
1. Warum diese Frage so viele Eltern beschäftigt
Kaum ein Übergang im Leben eines Kindes bewegt Eltern so sehr wie der Wechsel von der Kita in die Schule. Die 1. Klasse fühlt sich nach einer neuen Welt an – für das Kind, und für die Eltern erst recht. Plötzlich zählt Leistung. Plötzlich gibt es Bewertungen. Plötzlich vergleicht man das eigene Kind mit anderen.
Aus dieser emotionalen Situation entstehen zwei typische Reaktionen. Manche Eltern beginnen, ihr Kind in den Monaten vor der Einschulung intensiv zu fördern – Buchstaben, Zahlen, Rechnen. Andere fragen sich, ob sie bereits jetzt Nachhilfe organisieren sollten. Beide Reaktionen sind gut gemeint. Und beide gehen oft am Ziel vorbei.
Der Grund: In Deutschland ist der Lehrplan der ersten Klasse ausdrücklich darauf ausgelegt, mit Kindern zu arbeiten, die weder rechnen noch lesen können. Die Grundschule beginnt bei Null. Wer sein Kind vorher schon so weit bringt, dass es Wochen des Anfangsunterrichts überspringt, tut ihm meist keinen Gefallen – im Gegenteil. Was Schulen dagegen wirklich erwarten, sind Grundfähigkeiten, die in den Alltag jedes Vorschulkindes gehören. Und diese sind erstaunlich anders, als viele Eltern denken.
2. Die häufigste Verwirrung: Was ist eigentlich „Schulreife“?
Der Begriff „Schulreife“ hört sich einfach an, ist aber überraschend komplex. Er meint eine Kombination aus körperlichen, kognitiven, sozialen und emotionalen Voraussetzungen, die ein Kind für den erfolgreichen Schulstart mitbringen sollte. Dabei geht es nie um eine Ja/Nein-Frage, sondern immer um ein Entwicklungsspektrum.
In Deutschland gibt es keinen einheitlichen „Schulreife-Test“. Jede Schule und jeder Träger führt die Einschulungsuntersuchung etwas anders durch. Was aber überall gilt: Es geht nicht darum, was ein Kind bereits gelernt hat, sondern darum, welche Voraussetzungen zum Lernen es mitbringt. Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied.
2.1 Schulreife ≠ Vorwissen
Ein Kind, das schon Buchstaben schreiben kann, ist nicht automatisch „schulreif“. Ein Kind, das keine Buchstaben kennt, ist nicht automatisch „nicht schulreif“. Das eine hat mit dem anderen wenig zu tun.
Schulreife bedeutet: Kann sich das Kind eine gewisse Zeit auf eine Aufgabe konzentrieren? Kann es Anweisungen folgen? Kann es mit anderen Kindern zusammen sein, ohne die Kontrolle zu verlieren? Hält es Frustration aus? Erkennt es Muster und Strukturen? Kann es sich sprachlich ausdrücken? Das sind die eigentlichen Fragen.
Die konkreten Inhalte – Buchstaben, Zahlen, Rechnen – kommen in der Schule. Was das Kind mitbringen sollte, ist die Fähigkeit zum Lernen. Nicht das bereits Gelernte.
3. Die 5 wirklich wichtigen Kompetenzbereiche
Aus jahrelanger Arbeit mit Familien und aus dem Austausch mit Grundschullehrern und Kita-Erzieherinnen kristallisieren sich fünf Kompetenzbereiche heraus, die für einen erfolgreichen Schulstart tatsächlich zählen. Sie sind konkret, sie sind alltagsnah, und Sie können sie in den Monaten vor der Einschulung gezielt fördern.
3.1 Motorische Fähigkeiten
Der Bereich, der am häufigsten unterschätzt wird. Ein Kind, das den Stift nicht sicher halten kann, hat in der Schule ein Problem, das mit „Fleiß“ oder „Konzentration“ nichts zu tun hat. Es kann körperlich einfach noch nicht das leisten, was verlangt wird. Und das führt schnell zu Frustration und dem Gefühl, dumm zu sein.
Konkret sollte Ihr Kind vor der Einschulung diese motorischen Fähigkeiten mitbringen: Es kann einen Stift mit dem Dreipunkt-Griff halten. Es schneidet mit einer Kinderschere entlang einer Linie. Es kann eine einfache Form (Kreis, Viereck, Dreieck) selbstständig malen. Es fängt einen weichen Ball aus 2 Metern Entfernung. Es hüpft auf einem Bein. Es zieht sich alleine an – auch mit Reißverschlüssen und Knöpfen.
Klingt banal? Ist es aber nicht. Kinder, die diese Basis-Fähigkeiten nicht haben, brauchen im Schulalltag ständig Hilfe – beim Sportunterricht, beim Anziehen nach dem Sport, beim Schreiben, beim Basteln. Diese ständige Abhängigkeit hemmt Selbstständigkeit und Selbstvertrauen.
3.2 Sprache und Kommunikation
Sprache ist die Grundlage fast allen Lernens in der Schule. Was Ihr Kind mitbringen sollte, ist nicht ein perfektes Deutsch, sondern die Fähigkeit, sich verständlich mitzuteilen und anderen zuzuhören.
Konkret: Ihr Kind kann in ganzen Sätzen erzählen, was ihm passiert ist. Es versteht Anweisungen mit zwei bis drei Schritten („Räum bitte die Stifte weg, wasch dir die Hände und komm zum Tisch“). Es kann seine Bedürfnisse in Worte fassen, statt sie zu weinen oder zu quengeln. Es kann einer Geschichte zuhören und danach etwas darüber sagen. Es kennt die Namen der wichtigsten Alltagsdinge, Farben, Formen.
Für Familien mit mehreren Sprachen zu Hause gilt: Es ist besser, wenn Ihr Kind eine Sprache gut spricht (die Muttersprache), als wenn es Deutsch nur bruchstückhaft kennt. Die zweite Sprache lernt es in der Schule schneller, als viele Eltern denken. Wichtig ist die grundlegende Sprachfähigkeit, nicht das perfekte Deutsch.
3.3 Zahlen- und Mengenverständnis (NICHT Rechnen!)
Hier ist eine wichtige Klarstellung. Ihr Kind muss vor der Einschulung nicht rechnen können. Es muss nicht die Zahlen bis 100 kennen. Es muss noch nicht wissen, was Addition oder Subtraktion ist. All das lernt es in der Schule – so ist der Lehrplan aufgebaut.
Was Ihr Kind aber wirklich braucht, ist ein Grundverständnis für Zahlen und Mengen. Es sollte sicher bis zehn zählen können, ohne dabei Zahlen zu überspringen. Es sollte erkennen können, dass drei Äpfel mehr sind als zwei Äpfel – ohne sie zu zählen, einfach visuell. Es sollte Zahlen mit Mengen verbinden können: „Ich brauche vier Löffel“ und dann tatsächlich vier holen.
Dieses Zahlen- und Mengenverständnis ist entscheidend, weil es die Basis für alles ist, was in der Schule kommt. Ein Kind, das Zahlen als abstrakte Symbole ohne Verbindung zur Wirklichkeit erlebt, wird in Mathematik schnell Schwierigkeiten bekommen. Ein Kind, das ein solides Mengen-Gefühl mitbringt, hat einen echten Vorsprung.
Ein Hinweis für interessierte Eltern
Wenn Sie Ihr Kind spielerisch im Zahlenverständnis fördern möchten, bietet das Rechnen mit einem Abakus einen sehr natürlichen Weg. Kinder erleben Zahlen dabei als konkrete, greifbare Mengen – genau das, was in dem Alter wichtig ist. Mehr dazu in unserem Ratgeber „Was ist mentale Arithmetik?“.
3.4 Konzentration und Aufmerksamkeitssteuerung
Eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Schule – und gleichzeitig die, die vielen Eltern die meisten Sorgen macht. Ihr Kind sollte in der Lage sein, sich für 15 bis 20 Minuten am Stück auf eine ruhige Aufgabe zu konzentrieren. Das reicht für den Schulalltag völlig aus, weil auch dort Aufgabenblöcke meist nicht länger sind.
Konkret bedeutet das: Ihr Kind kann bei einem Ausmalbild bleiben, bis es fertig ist. Es kann ein einfaches Puzzle mit 20 bis 30 Teilen zu Ende bringen. Es kann einer Geschichte 15 Minuten lang zuhören. Es kann bei einem Brettspiel bleiben, auch wenn es einmal verliert.
Wenn Ihr Kind das schafft, ist alles im grünen Bereich. Wenn nicht, ist Konzentration ein Bereich, an dem sich in den Monaten vor der Einschulung gezielt arbeiten lässt. Wir haben in einem eigenen Ratgeber ausführlich erklärt, was normal ist, wann Sie handeln sollten und mit welchen Übungen Sie zu Hause fördern können – siehe unseren Artikel „Konzentration vor der Einschulung“.
3.5 Soziale und emotionale Fähigkeiten
Der Bereich, der von Eltern am häufigsten übersehen wird und für Lehrer oft am wichtigsten ist. Kinder verbringen in der Schule den ganzen Tag in einer Gruppe. Sie müssen sich in eine Klasse einordnen, mit anderen kooperieren, Konflikte lösen, Frust aushalten, Regeln einhalten. Das sind gewaltige Anforderungen für ein sechsjähriges Kind.
Was Ihr Kind konkret mitbringen sollte: Es kann warten, bis es an der Reihe ist – auch wenn es das nicht will. Es kann bei einem Konflikt Worte finden, statt zu schlagen oder zu schreien. Es hält es aus, wenn eine Aufgabe nicht sofort gelingt. Es kann sich einer Gruppenautorität (Lehrer, Erzieher) unterordnen. Es kann sich in kurzen Zeitfenstern selbst beschäftigen, wenn ein Erwachsener gerade nicht verfügbar ist.
Diese Fähigkeiten entwickeln sich am besten in der Kita, in kleinen Spielgruppen mit anderen Kindern und im Familienalltag. Sie lassen sich nicht in einem Kurs lernen. Sie wachsen mit der Erfahrung.
4. Was Ihr Kind NICHT können muss – die große Entlastung
Jetzt kommt der Teil, der viele Eltern spürbar entspannt. Denn es gibt eine ganze Liste von Dingen, bei denen wir in Elterngesprächen immer wieder erklären müssen: Das muss Ihr Kind vor der Einschulung wirklich nicht können. Wer sich hier unnötigen Stress macht, tut sich und dem Kind keinen Gefallen.
4.1 Lesen und Schreiben
Das ist der Klassiker der elterlichen Sorgen. Aber: Ihr Kind muss vor der Einschulung nicht lesen können. Es muss nicht Buchstaben schreiben können. Es muss nicht einmal das Alphabet auswendig kennen. All das lernt es in der Schule – Wort für Wort, Buchstabe für Buchstabe, in einem sorgfältig aufgebauten Prozess.
Sogar mehr: Kinder, die vor der Einschulung bereits lesen und schreiben können, langweilen sich oft im Anfangsunterricht. Sie verlieren die Motivation. Sie entwickeln teilweise schlechte Angewohnheiten (falsche Stifthaltung, ungewöhnliche Buchstabenreihenfolge), die später mühsam korrigiert werden müssen. Grundschullehrer bevorzugen tendenziell Kinder, die noch keine Vorerfahrung mitbringen, weil sie dann gleich richtig anfangen können.
Was ausreicht: Ihr Kind kennt die Buchstaben seines eigenen Namens. Es weiß, dass Text von links nach rechts gelesen wird. Es kennt den Klang einiger Buchstaben („mmm für Mama“). Mehr braucht es nicht.
4.2 Rechnen
Ähnlich beim Rechnen. Ihr Kind muss nicht wissen, was 5 + 3 ist. Es muss nicht Additionen oder Subtraktionen können. Es muss die Zahlen nicht schreiben können. Der Lehrplan der 1. Klasse führt in den Zahlenraum bis 20 ein – langsam, systematisch, mit vielen Übungen. Wer vorher schon rechnet, überspringt diesen wichtigen Aufbau und hat später oft Lücken im Grundverständnis.
Was Ihr Kind wissen sollte: Es kann sicher bis zehn zählen. Es versteht, dass eine Menge mit einer Zahl verbunden ist. Es kann kleine Mengen (bis 5) auf einen Blick erkennen. Das ist die Basis. Rechnen selbst kommt in der Schule.
4.3 Uhrzeit lesen
Wird oft von Eltern vorbereitet, ist aber im Lehrplan der 1. Klasse noch nicht vorgesehen. Kinder lernen die Uhrzeit meist in der 2. Klasse. Wenn Ihr Kind es schon vorher weiß, ist das nett – aber nicht nötig.
4.4 Perfektes Deutsch
Besonders für Familien mit Migrationshintergrund wichtig. Ihr Kind muss vor der Einschulung nicht perfekt Deutsch sprechen. Es muss keine komplexen Grammatikstrukturen beherrschen. Es muss keinen großen Wortschatz haben. Es muss lediglich in der Lage sein, sich verständlich mitzuteilen und einfache Anweisungen zu verstehen. Die Sprachentwicklung im Deutschen läuft in der Schule sehr schnell weiter.
4.5 Bestimmte Vorschul-Programme absolviert haben
In einigen Kreisen macht sich der Trend breit, dass Kinder vor der Einschulung spezielle Vorschul-Programme durchlaufen sollten. Das ist in Deutschland nicht üblich und nicht nötig. Die Kita leistet die Vorbereitung, die zusammen mit dem Familienalltag ausreicht. Wer zusätzlich fördern möchte, kann das tun – aber es ist keine Voraussetzung.
Die Grundregel
Alles, was in der Schule gelernt wird, muss Ihr Kind vor der Schule NICHT können. Was es können sollte, sind die Voraussetzungen zum Lernen: Konzentration, Motorik, Sprache, Zahlenverständnis, soziale Kompetenz. Das ist eine bewusste Trennung – und sie entlastet Eltern enorm.
5. Die häufigsten Sorgen der Eltern – realistisch beantwortet
Aus vielen Gesprächen mit Eltern kennen wir eine typische Sammlung von Sorgen. Hier die häufigsten, mit realistischen Antworten.
5.1 „Mein Kind kann noch nicht so lange still sitzen“
Muss es auch nicht. Auch im Unterricht der 1. Klasse gibt es viele Bewegungsphasen, Wechsel, Aktivitäten. Ein Erstklässler, der 45 Minuten still sitzen kann, wäre eher ungewöhnlich – nicht Ihr Kind, das das nicht kann. Was zählt, ist die Fähigkeit, sich für Aufgabenblöcke von 15 bis 20 Minuten zu konzentrieren.
5.2 „Mein Kind ist so ungestüm und wild“
Für sechsjährige Kinder ist Ungestümheit oft völlig altersgerecht. Die Frage ist nicht, ob Ihr Kind wild ist, sondern ob es in der Lage ist, seine Impulse für begrenzte Zeit zu kontrollieren – in Situationen, in denen das nötig ist (Zuhören, Warten, Anstellen). Wenn es das kann, ist alles in Ordnung.
5.3 „Mein Kind weint noch bei jeder Kleinigkeit“
Emotionale Sensibilität ist keine Schulunreife. Wichtig ist, ob Ihr Kind sich nach dem Weinen selbstständig wieder beruhigen kann. Wenn ja, ist auch das in Ordnung. Kinder, die ihre Emotionen leicht spüren, lernen oft besonders empathisch und können später gut mit anderen umgehen.
5.4 „Mein Kind ist zu ruhig und schüchtern“
Zurückhaltende Kinder brauchen in der Schule Zeit, um sich einzuleben. Das ist völlig normal. Sie sollten aber in der Lage sein, sich mitzuteilen, wenn sie etwas brauchen. Wenn ein schüchternes Kind seine Wünsche und Sorgen ausdrücken kann, ist das entscheidend – nicht, ob es laut auftritt.
5.5 „Mein Kind interessiert sich für nichts als das Spielen“
Das ist genau das, was ein Kind in dem Alter tun sollte. Spielen ist Lernen. Bauen ist Physik. Rollenspiele sind Sozialverhalten. Regelspiele sind Selbstkontrolle. Ein Kind, das sich intensiv ins Spiel vertieft, entwickelt Konzentration, Kreativität und emotionale Kompetenz. Machen Sie sich keine Sorgen, dass Ihr Kind „nur“ spielt. Das ist entwicklungspsychologisch genau richtig.
6. Schulreife vs. Schulfähigkeit – ein wichtiger Unterschied
In Fachkreisen unterscheidet man zunehmend zwischen zwei Begriffen, die für Eltern nützlich zu kennen sind: Schulreife und Schulfähigkeit.
„Schulreife“ ist ein älterer Begriff, der davon ausgeht, dass ein Kind für die Schule „reif“ sein muss – wie eine Frucht, die reift oder eben nicht. Diese Sicht wird heute kritisch gesehen, weil sie das Kind zum Objekt macht, das entweder passt oder nicht passt.
„Schulfähigkeit“ ist der neuere Begriff. Er berücksichtigt, dass es nicht nur um das Kind geht, sondern um das Zusammenspiel zwischen Kind und Schule. Manche Kinder sind für eine bestimmte Schule mit ihrem spezifischen Konzept fähig, für eine andere weniger. Manche Kinder blühen in einer strukturierten Umgebung auf, andere in einer freieren.
Für Eltern bedeutet das: Wenn Sie sich Sorgen machen, ob Ihr Kind „schulreif“ ist, ist die bessere Frage: „Passt diese Schule zu meinem Kind?“ Das gibt Ihnen mehr Handlungsspielraum. Sie können nach Schulen suchen, die besser passen. Sie können mit Lehrern über den individuellen Charakter Ihres Kindes sprechen. Sie sind nicht auf eine binäre Ja/Nein-Beurteilung angewiesen.
7. Was passiert bei der Einschulungsuntersuchung?
In Deutschland ist die schulärztliche Einschulungsuntersuchung Pflicht. Sie findet in der Regel ein halbes bis ein Jahr vor der Einschulung statt und wird vom Gesundheitsamt organisiert. Viele Eltern haben davor Angst, aber die Untersuchung ist meist entspannter, als sie erwartet wird.
7.1 Was untersucht wird
Bei der Einschulungsuntersuchung geht es um vier Bereiche: körperliche Gesundheit (Sehen, Hören, Wachstum, Impfstatus), motorische Fähigkeiten (Bewegungsabläufe, Feinmotorik), kognitive Fähigkeiten (Sprache, Zahlen, Formen, Konzentration) und soziale/emotionale Reife (Umgang mit fremden Erwachsenen, Anweisungen folgen).
Die Untersuchung dauert je nach Umfang zwischen 45 Minuten und zwei Stunden. Ihr Kind macht kleine Aufgaben (Bilder benennen, Formen nachzeichnen, kleine Bewegungen), spricht mit dem Arzt oder der Ärztin, und wird körperlich untersucht.
7.2 Was NICHT bewertet wird
Wichtig zu wissen: Bei der Einschulungsuntersuchung wird nicht abgefragt, ob Ihr Kind schon lesen oder rechnen kann. Es geht nicht um Vorwissen. Es geht um Grundfähigkeiten. Wer sich davor hektisch vorbereitet und mit dem Kind übt, geht am Ziel vorbei.
Was Ihr Kind mitbringen sollte: einen ausgeruhten Zustand, eine grundlegende Kooperationsbereitschaft, und die Sicherheit, dass es „nichts falsch machen kann“. Alles andere ergibt sich.
7.3 Was passiert nach der Untersuchung
In den allermeisten Fällen wird das Kind ohne Auflagen zur Einschulung freigegeben. Wenn der Schularzt Auffälligkeiten sieht, gibt es je nach Situation verschiedene Möglichkeiten: weitere Untersuchungen (zum Beispiel beim Kinderarzt), Empfehlungen für Förderungen (Ergotherapie, Logopädie), oder in seltenen Fällen die Empfehlung einer Zurückstellung um ein Jahr.
Eine Zurückstellung ist nichts Schlimmes – im Gegenteil. Wenn ein Kind noch nicht so weit ist, ist ein Jahr mehr in der Kita oft das Beste, was ihm passieren kann. Viele „späte“ Einschüler entwickeln sich in der Schule dann besonders gut.
8. Wenn Sie unsicher sind – die richtigen Ansprechpartner
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind in einem bestimmten Bereich Schwierigkeiten hat, gibt es klare Anlaufstellen. Sie müssen nichts alleine entscheiden.
8.1 Die Kita-Erzieherinnen
Der erste und wichtigste Ansprechpartner. Erzieherinnen sehen Ihr Kind jeden Tag in einer Gruppen-Situation, die der späteren Schulklasse sehr ähnlich ist. Sie können realistisch einschätzen, wie Ihr Kind mit anderen umgeht, wie lange es sich konzentrieren kann, wie es Anweisungen folgt. Ein Elterngespräch zum Thema Schulvorbereitung ist in fast allen Kitas möglich – und es liefert oft wertvollere Einschätzungen als jede Fachliteratur.
8.2 Der Kinderarzt
Bei körperlichen, motorischen oder Wahrnehmungs-Fragen der richtige Ansprechpartner. Er kann untersuchen, ob es Hör- oder Sehprobleme gibt (die oft für Konzentrationsprobleme verantwortlich sind), ob die motorische Entwicklung altersgerecht ist, und ob eine weitere Untersuchung sinnvoll wäre.
8.3 Erziehungsberatungsstellen
Wenn Sie generelle Sorgen um Ihr Kind haben – ob es schulreif ist, wie es mit dem Übergang umgehen wird, wie Sie es unterstützen können – sind kostenlose Erziehungsberatungsstellen in jeder größeren Stadt ein guter Anlaufpunkt. Sie bieten diskrete Beratung durch Fachkräfte, und sie sehen viele Kinder und Familien in ähnlichen Situationen.
8.4 Externe strukturierte Förderung
Wenn Sie zusätzlich zum Familienalltag etwas Strukturiertes anbieten möchten, gibt es Programme wie unser Little Brainobrain für Kinder von 5 bis 7 Jahren. Es kombiniert Konzentrationstraining, Zahlenverständnis (über den Abakus) und altersgerechte Persönlichkeitsübungen. Kinder üben in kleinen Gruppen einmal pro Woche und bauen so über Monate eine solide Basis für den Schulstart auf.
Solche Programme ersetzen keine familiäre Vorbereitung – sie ergänzen sie. Für Familien, in denen Zeit oder Struktur zu Hause knapp sind, oder für Kinder, die von zusätzlicher Förderung profitieren würden, sind sie eine sinnvolle Option.
9. Was Sie in den letzten Monaten wirklich tun können
Wenn die Einschulung näherrückt, ist die praktische Frage: „Was tue ich konkret in den letzten Monaten?“ Hier zehn ehrliche Empfehlungen – ohne Frühlernstress, dafür mit Substanz.
10. Fazit: Was wirklich zählt
Was Ihr Kind vor der 1. Klasse können sollte, ist erstaunlich anders, als viele Eltern denken. Es geht nicht um Buchstaben, nicht um Rechnen, nicht um Vorwissen. Es geht um die grundlegenden Fähigkeiten, die das Lernen in der Schule überhaupt erst ermöglichen: Motorik, Sprache, Zahlenverständnis, Konzentration, soziale und emotionale Kompetenz.
Und mindestens genauso wichtig ist zu wissen, was Ihr Kind NICHT können muss. Wer sich hier Stress macht, verpasst das eigentliche Ziel des Vorschulalters: Ein Kind sein zu dürfen, zu spielen, zu entdecken, sicher zu sein. Ein Kind, das ins Schulleben eintritt mit Neugier, Selbstvertrauen und Freude am Lernen, wird auch schwierige Phasen meistern. Ein Kind, das mit Druck und Angst kommt, wird selbst bei guten Voraussetzungen Probleme bekommen.
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Brainobrain ist ein internationales Bildungsprogramm für Kinder von 5 bis 14 Jahren, das mentale Arithmetik, Konzentrationstraining und Persönlichkeitsentwicklung verbindet. Aktiv in über 45 Ländern mit mehr als 450.000 trainierten Kindern. In Deutschland seit 2018 mit Standort in Berlin-Steglitz und Online-Angebot für Familien im gesamten deutschsprachigen Raum. Unser Little-Brainobrain-Programm richtet sich speziell an Kinder von 5 bis 7 Jahren – die Altersspanne, in der die Vorbereitung auf den Schulstart am wirksamsten ist.
Kontakt: info@brainobrain.de · Telefon: +49 1577 1827470 · brainobrain.de
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